Auszeit auf dem Amselfeld:
Die Bewegungsfreiheit der serbischen Bewohner von Orahovac ist beschränkt: Weil viele Kosovo-Albaner im Süden der Stadt die Milosevic-Zeit immer noch nicht vergessen können, machen sie ihren Nachbarn das Leben zur Hölle.
Empfangen kann man ihr Programm noch 50 Kilometer von Orahovac entfernt, der Bewegungsradius von Igor und seinen Kollegen aber reicht nicht einmal bis zum Rande der im Westen des Kosovo gelegenen Stadt. Aus einem einfachen Grund: Die jungen Mitarbeiter von Radio "Focus" sind Serben, und die leben seit Ende des Kosovo-Krieges im Somer 1999 eingezwängt in einer kleinen Enklave im Norden von Orahovac - abgeschnitten vom Alltag der 15.000 Kosovo-Albaner unten im Tal.
Die Reportage versucht, den Alltag aus Arbeitslosigkeit und Apathie aufzuspüren, wie ihn die 700 vor allem älteren Serben erleben, die heute immer noch in ihrer kleinen Insel in Orahovac ausharren - trotz der unzähligen Anschläge, die Angehörige und Sympathisanten der Kosovo-Befreiungsarmee UCK seit 1999 auf serbische Häuser und Bewohner verübt haben.
"Jeder Schritt auf die Straße ist eine Provokation", sagt Slobodan, der als einziger aus dem "Focus"-Team mit Blick auf das Haus einer albanischen Familie wohnt. Seitdem die am Rande der Stadt stationierten deutschen Kfor-Soldaten anfingen, die Straße vor seiner Wohnung zu bewachen, fühlt er sich wieder sicherer, doch düster sieht die Zukunft für ihn und die anderen Bewohner der Enklave dennoch aus.
Denn an Arbeit mangelt es in Orahovac ebenso wie an der Aussicht, eines Tages ohne Angst durch den albanischen Teil der Stadt flanieren zu können. Wer die Enklave verlassen will, in die Provinzhauptstadt Pristina etwa oder ins pittoreske Prizren, der muss seine Reise Tage vorher im örtlichen Büro der UN-Mission für das Kosovo (Unmik) anmelden. Mit etwas Glück ist dann sogar noch einer der wenigen Plätze im UN-Bus frei.